Sonntag, 9. Dezember 2018

Die Krämers- Immer Ärger mit Liam


Was bisher geschah: Josie hat ihren ersten Geburtstag gefeiert und ist jetzt endlich ein richtiges Kleinkind und Papa Bruno ist immer noch ganz vernarrt in sie.
Liam gibt unterdessen immer noch den rebellischen Teenager. Nachdem Svea ihn mit einer seiner OnS im Whirlpool erwischt hat, versucht Greg seinem Sohn ins Gewissen zu reden, aber dieser will von all dem nichts hören.

Während also Svea und Greg nicht gerade rosige Zeiten mit ihrem Nachwuchs erleben, denkt Bruno tatsächlich still und heimlich schon über ein Geschwisterchen für Josie nach.
Wie praktisch, dass just in diesem Moment Rosalie von der Arbeit nach Hause kommt. „Hallo, mein Schatz, wie war die Arbeit heute?“
„Ach ganz gut. Heute gab’s ausnahmsweise mal keine schwierigen Gäste. Die waren überraschenderweise echt pflegeleicht alle.“
„Das freut mich zu hören. Weißt du eigentlich, dass du echt sexy aussiehst in deiner Kochjacke. Von mir aus kannst du die immer tragen.“
„Ne, lieber nicht.“, lacht Rosalie. „Ich zieh mich besser mal um. Ich stinke voll nach Fett und Essen.“
„Oh, also da helf ich dir doch gerne bei.“ Während er ihr endlich einen Begrüßungskuss gibt
, zieht er sie schon Richtung Schrank und schiebt dabei die Schranktür auf, damit die zwei nach drinnen verschwinden können.
„Puh, also das war wie immer der Hammer.“ Rosalie schnappt nach Luft, als sie wieder aus dem Schrank herauskommen, aber sieht ziemlich zufrieden aus.
„Jetzt bin ich aber wirklich kaputt und muss ins Bett.“ Schneller als Bruno was erwidern kann, hat sie sich umgezogen, ist unter die Bettdecke gehüpft und ist nicht lange danach auch schon eingeschlafen.
‚Verdammt‘, flucht Bruno innerlich vor sich hin. ‚Hätte ich die Sache mit dem zweiten Kind doch bloß vorher angesprochen. Na ja, egal, dann halt in den nächsten Tagen. Ich finde schon noch den richtigen Augenblick.‘

Rosalie muss am nächsten Tag erst spät zur Arbeit. Dadurch kann sie sich den ganzen Vormittag um Josie kümmern. Und die freut sich ganz besonders, so viel Zeit mit ihrer Mama verbringen zu können. 

Die beiden starten in den Tag mit einer lustigen Runde in der Badewanne.
Nach dem Frühstück liest Rosalie ihrer Tochter aus einem Prinzessinenbuch vor.
Natürlich hat Josie danach auch gleich Lust selber eine Prinzessin zu sein und deswegen will sie gleich mit Mama am Puppenhaus spielen.
Aber an diesem Tag kümmern sich die beiden auch um die wichtigen Dinge des Lebens, wie zum Beispiel, dass man lernt richtig aufs Töpfchen zu gehen.
Angeregt von Josies Bemühungen muss dann auch Rosalie schnell für kleine Mamas und verschwindet mal eben auf Toilette. Das aber gar nicht schlimm, den Josie kann sich durchaus auch alleine beschäftigen. Schließlich lässt ihr großes Zimmer keinen Wunsch offen.
Doch lange bleibt Josie nicht alleine. Denn schon steckt Oma den Kopf zur Tür herein und als sie sieht, dass die Kleine alleine ist, nutzt sie ihre Chance und setzt sich zur ihr, um mit ihrer Enkelin ein bisschen mit den Flashkarten zu spielen.
„Oh, das hast du ganz toll gemacht!“, lobt Svea ihre Enkelin hinterher. 
„Du bist ja schon ein richtig großes Mädchen und kennst schon fast alle Tiere. Wirklich toll.“ So langsam wird Josie aber quengelig und hat keine Lust mehr zu spielen oder zu kuscheln.
„Bin müde. Will schlafen.“, mault sie ihre Oma an. Svea guckt auf die Uhr. „Ach ja, ist ja auch schon Zeit für deine Mittagsstunde. Na komm Oma liest dir noch was vor. Dann geht das einschlafen leichter.“ Zwischendurch hat auch Rosalie schon durch den Türspalt ins Zimmer gespäht, aber als sie ihre Mutter mit ihrer Tochter da am Bett gesehen hat, hat sie die Tür gleich ganz leise wieder zugemacht. Was soll sie da auch noch einmischen? Josie ist bei ihrer Oma in guten Händen und so kann sie sich wenigstens in Ruhe für die Arbeit umziehen.

Liam hat sich in der Zwischenzeit mit seinem Hausarrest angefunden. Man muss ja nicht unbedingt rausgehen um Spaß zu haben. Und damit seine Eltern nicht wieder so abdrehen, hat er sich halt heute mal ein Mädchen in seinem Alter eingeladen. Da können sie ja wohl nichts zu sagen. Außerdem hört diese Cheerleaderin danach vielleicht endlich auf ihn ständig zu nerven und zu verfolgen. „Hallo Brigitte, wie nett, dass du kommen konntest.“
Ja, dieses Mal hat er sich sogar den Namen des Mädchens gemerkt. Wobei das nicht sonderlich schwer war, schließlich tauchen sie und ihre Freundinnen jeden Tag bei seinem Footballtraining auf und rufen den Jungs laut zu, wer sie sind.  „Und bereit zum Lernen?“, fragt er sie schnell.
Brigitte guckt ein wenig irritiert. Wieso lernen? Sie dachte, er hat sie eingeladen, weil er sie näher kennen lernen wollte. Aber Liam hat das nicht ohne Grund gesagt, denn genau in dem Moment kam sein Vater aus dem Arbeitszimmer und Liam hatte echt keine Lust auf eine Szene, wenn er ein Mädchen dahat.
Als sein Vater zur Tür raus ist, um zur Arbeit zu gehen, klärt er sie auf. „Also natürlich gehen wir nicht wirklich lernen. Wie soll ich mich denn konzentrieren, wenn so ein heißes Gerät neben mir sitzt. Das hab ich nur gesagt, damit mein Alter keinen Stress macht, wenn du verstehst.“ Er zwinkert ihr zu. Und natürlich versteht sie was er meint.
Aber auch Greg ist gar nicht so senil, wie sein Sohn vielleicht denkt. Der hat den Braten doch gerochen und seiner Frau von vor der Tür eine SMS geschickt, dass sie doch mal nach Liam gucken soll, was der so vorhat. Gerade als Liam eine weitere Flirtattacke starten will, kommt sie die Treppe runter.
‚Oh man, das nervt. In diesem Haus hat man aber auch nie seine Ruhe. Ständig kommt einer und will dich kontrollieren.‘ Genervt rollt Liam innerlich mit den Augen. „Ach du hast Besuch Liam? Wer ist denn die bezaubernde junge Dame? Und was habt ihr so vor?“, fragt Svea ihren Sohn.
„Ja, also das ist Brigitte von den Cheerleadern und wir gehen jetzt Hausaufgaben machen. Wäre also toll, wenn du uns bitte in Ruhe lassen würdest. Danke.“ Schnell zieht er Brigitte die Treppe hoch, bevor seine Mutter noch mehr Fragen stellen kann.
„Krass, ist das ne geile Hütte hier.“, beeindruckt lässt Brigitte sich auf Liams Sofa fallen. „Was dagegen, wenn ich mal eben ein Foto mache für meinen Instasimaccount. Die anderen Mädchen glauben mir das sonst nie, dass ich bei dem berüchtigtem Liam zu Hause war.“
„Tu dir keinen Zwang an.“
„Cool, und was machten wir jetzt? Hier rumsitzen? Oder gibst du mit ne Führung durch dein Zimmer?“, grinst sie ihn an.
„Na, aber klar. Also hier drüben haben wir meinen Schreibtisch mit meinem PC. Von hier aus hab ich gerade einen super Ausblick auf eine heiße Cheerleaderin.“
„Und wenn du deinen Blick nach rechts richtest, dann siehst du da mein gemütliches, großes Bett, das Platz für zwei bietet.“
„Oh, darf ich mal kurz? Ich glaube du hast da was am Hals, ich mach das mal eben weg.“
„So und schließlich haben wir hier meinen geräumigen Schrank, in den nicht nur Klamotten reinpassen. Da ist so viel Platz drinnen, da kann man auch ganz andere Dinge drinnen tun, als sich umziehen. Ich demonstriere dir das mal kurz.“
„Ich kann dir das ganze aber natürlich auch noch mal in Originalumgebung vorführen.“, zwinkert er ihr zu und lockt sie in seinen Schrank. Nach ein paar Minuten kommen die zwei schon wieder heraus. „Wow, also das war ja was. Aber was hab ich anderes erwartet von einer Cheerleaderin. Du bist echt ganz schön gelenkig. Kompliment.“
„Danke!“
Bei all dem Stress mit seinen Eltern hat Liam aber total vergessen mit Brigitte vorher zu sprechen, dass er ganz und gar nicht auf eine Beziehung aus ist jetzt und nur Spaß haben will. ‚Verdammt‘, denkt er sich. ‚Hoffentlich macht die jetzt keinen Aufstand deswegen.‘
„Also hör mal Brigitte, ich bin mir ziemlich sicher, dass du schon gehört hast, wie das bei mir läuft. Ich bin echt nicht so der Beziehungstyp. Mit mir kann man Spaß haben so viel wie man will, aber mehr läuft da nicht. Ich hoffe du verstehst das.“
„Ähm, ja klar, ich bin ja nicht blöd. Ich bin ja keine, die gleich nach ein bisschen rumknutschen denkt sie wäre mit nem Typen fest zusammen oder so.“
„Gut, dann sind wir ja cool.“
„Tja, wäre dann auch cool, wenn du gehen würdest. Ich mein wir haben getan, wozu du hier warst und auf Hausaufgaben hab ich gerade so gar keinen Bock, also mach’s gut, wir sehen uns bestimmt beim Training oder so.“ Ein bisschen irritiert ist Brigitte jetzt schon von seinem plötzlichen und vehementen Rauswurf. So krass hat SIE noch keiner abserviert.
Trotzdem verlässt sie ohne Widerworte das Haus und Liam ist ziemlich zufrieden mit sich und wie er die Situation mit dem Hausarrest entspannt hat.

Spät in der Nacht, als alle anderen schon schlafen, kommen schließlich auch Rosalie und Bruno nach Hause. Während Bruno noch schnell ein paar Regierungsgeheimnisse durchforsten muss, leistet Rosalie ihm bei ihrem Mitternachtssnack Gesellschaft.
„So, fertig!“, Bruno fährt den Computer runter und sieht seine Frau an. ‚Ok, heute sprech ich sie drauf an. Ich weiß nur noch nicht wie, aber das kommt bestimmt schon von ganz alleine.‘, beschließt er. Entschlossen geht er auf sie zu. „Du siehst ganz schön müde aus. Ich finde wir sollten mal nach oben ins Schlafzimmer gehen, damit ich dir helfen kann dich zu entspannen.“
„Ach du alter Verführer. Du hast doch bestimmt schon wieder ganz andere Sachen im Kopf, so wie ich dich kenne. Aber du hast Glück, ganz so müde bin ich dann doch nicht. Ich könnte mich durchaus zu einer Runde Bettgymnastik überreden lassen.“
Da hat Bruno schon wieder alle Vorhaben vergessen und eilt seiner Liebsten hinterher ins Schlafzimmer, damit er ihr flugs ins Ehebett folgen kann.

Am nächsten Morgen sitzen Svea und Greg mit Liam zusammen am Frühstückstisch und können endlich mal mit ihm reden. Dazu kam es ja gestern, nachdem sein Besuch weg war nicht mehr. Allerdings ist diese Unterredung dringend notwendig, denn Svea hat gestern Abend noch einen beunruhigenden Anruf aus Liams Schule bekommen. Wie es scheint, läuft es bei nicht wirklich so rund, wie er immer behauptet. Er steht wohl ganz schön auf der Kippe.
„Sag mal, Liam, wie läuft es denn mal abgesehen von allem anderen so in der Schule?“, fragt Svea vorsichtig nach.
„Ja, gut.“, Liam ist wie immer recht kurz angebunden.
„Hm, sicher?“, bohrt sie weiter. „Nichts, was du uns sagen willst?“
„Was denn?“
„Tja, also ich hab gestern Abend einen Anruf von deinem Coach bekommen. Wie es scheint steht es nicht allzu gut um deine anderen Noten außer in Sport. In vielen Fächern stehst du wohl ganz schon auf der Kippe. Er meinte sogar, wenn du dich nicht besserst, könntest du vom Training ausgeschlossen werden. Solange bis deine Noten wieder in einen akzeptablen Bereich kommen.“
Liam, der sonst immer so taff ist, macht jetzt ein ziemlich verzweifeltes Gesicht.
„Hör mal Schatz, wenn du Hilfe brauchst in der Schule oder bei den Hausaufgaben kannst du immer zu uns kommen, dein Vater und ich helfen dir gerne. Wir wollen doch auch nicht, dass du den Football aufgeben musst, aber wenn du dich nur noch darauf konzentrierst und alles andere schleifen lässt, dann ist es vielleicht besser, wenn du wirklich eine Pause beim Spielen einlegst.“
Hastig räumt Liam plötzlich seinen Teller ab. „Ne, lass mal. Ich komm schon klar. Brauch keine Hilfe. Ich krieg das schon wieder hin. Muss dann jetzt auch los. Will ja nicht zu spät kommen. Tschüss.“ Übereilt verlässt er das Haus und lässt seine Eltern wieder einmal ratlos zurück.
In der Schule bessert sich seine Laune auch nicht unbedingt. Denn er hat wieder einmal vergessen, dass sie heute zwei Tests schreiben und hat für beide nicht gelernt.
‚Na ja, wird schon schief gehen.‘, entschließt er und guckt sich noch mal den Stoff für das schwerer Fach oberflächlich durch. Den anderen wird er sich schon so durchschummeln können. Geholfen hat das allerdings auch nicht wirklich.
Im Schulbus auf dem Weg nach Hause, klingelt dann plötzlich sein Handy.
‚Na super. Was will der denn jetzt? Hoffentlich bin ich nicht aus dem Team geflogen.‘ Mit zitternden Fingern nimmt er den Anruf entgegen.

Der Direktor hält ihm einen Vortrag über Fleiß und Verantwortung. Dass man immer seine Hausaufgaben machen muss und auch gute Noten einem nicht so in den Schoß fallen. Liam hat ihn angefleht, ihm noch eine Chance zugeben seine Noten zu retten und ihn weiter spielen zu lassen. Zum Glück für ihn, ist der Direktor ein großer Fan der Schulfootballmannschaft und Liam ist ihr Starspieler. Wenn er nicht mehr mitspielen würde, würden sie wahrscheinlich das nächste Spiel gegen die Nachbarschule verlieren, also stimmt der Direktor seiner Bitte zu. Als Liam schließlich auflegt, ist seine Laune noch mieser als am Morgen.

Zuhause grübelt auch Greg immer noch über das Verhalten seines Sohnes und wie er ihm helfen kann beziehungsweise wie er erstmal überhaupt wieder an ihn herankommt. Er kann sich aber überhaupt nicht konzentrieren und wollte sich eigentlich beim Yoga ein wenig fokussieren, doch mit all den negativen Gedanken im Kopf, will ihm auch das nicht gelingen und er bringt keine vernünftige Position zu Stande.
Unbemerkt gesellt sich Bruno zu ihm und stellt sich auf die zweite Matte neben ihn. „Na Greg alles klar?“
„Hm, geht so.“, brummelt der.
„Also halte mich jetzt bitte nicht für neugierig oder so, aber ich hab zufällig eure Schwierigkeiten mit Liam mitbekommen. Tut mir leid, ich wollte nicht lauschen.“
„Ach schon gut, weiß ich doch, dass du nicht absichtlich gelauscht hast. Was soll ich dich auch anlügen? Also wenn ich ehrlich bin, macht mich der Junge wahnsinnig im Moment. Er lässt einfach nicht mit sich reden, ständig stößt er Svea und mich weg. Svea macht sich schon Vorwürfe, was sie alles falsch gemacht hat bei Liam und ich zweifle langsam auch an meiner Elternkompetenz. Ich bin wirklich am Ende mit meinem Latein.“
„Ich glaube ich muss dir mal eines sagen. Ihr seid wirklich tolle Eltern. Denkt bitte nie was anderes. Ich wäre aus dem Häuschen gewesen, wenn ich solche Eltern wie euch gehabt hätte. Liams Verhalten ist wirklich nicht euch zuzuschreiben. Ich bin zwar noch neu in diesem Elternding, aber ich glaube manchmal sind Teenager ziemlich schwierig und testen ihre Grenzen aus. Wahrscheinlich schlagen sie dann auch mal komplett in die andere Richtung aus, wie sie eigentlich erzogen worden sind. Aber ich denke irgendwann ist dann auch mal der Zeitpunkt gekommen, wo sie sich genug die Hörner abgestoßen haben, bevor noch jemand zu Schaden kommt.“
„Mag ja sein, dass du recht hast. Aber ich weiß immer noch nicht, wie ich zu ihm durchdringen soll.“
„Also eigentlich bin ich ja auch hier, weil ich da so eine total verrückte Idee hatte. Vielleicht hilft es ja, wenn mal jemand anderes mit ihm redet, außer seinen Eltern. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich ihn mir mal schnappen und ein paar Takte Klartext mit ihm reden. Ich glaube Liam ist mit gar nicht so unähnlich, als ich ein Teenager war. Alles nur mit eurem Einverständnis natürlich.“
„Das würdest du tun? Wenn du das schaffst, dann bin ich dir auf ewig dankbar. Ich wünsch mir so sehr meinen alten Liam zurück.“
„Gut, dann rede ich nachher mal mit ihm. Warum gehst du nicht solange nach oben und guckst mal was Josie so macht. Sie hat vorhin schon ganz sehnsüchtig nach ihrem Opa gefragt.“
„Wieso eigentlich nicht. Ich bekomme das heute eh nicht auf die Reihe mit dem Yoga. Dann geh ich mal gucken, was meine süße Enkelin so macht.“
Oben angekommen trifft er aber erstmal auf Rosalie, die auch mitbekommen hat, dass es ihrem Vater nicht so gut geht. Deswegen drückt sie ihn einfach ohne ein weiteres Wort einmal ganz fest.
„Also nicht, dass ich nicht gerne umarmt werde, aber womit hab ich denn diese Umarmung verdient?“, fragt er sie lächelnd.
„Ach einfach so. Weil du der beste Papa und Opa auf der ganzen Welt bist. Wollte ich dir einfach nur mal wiedersagen.“
Da kommt auch schon „Opa!“ rufend Josie auf die beiden zu getrottet. „Opa soll Bauklötze spielen.“, verlangt sie sofort. Und das kann Greg ihr natürlich nicht abschlagen und geht umgehend mit ihr ins Wohnzimmer Türmchen bauen.
Also ihre Mama kann ja schon tolle Türme bauen, aber ihr Opa ist immer noch der König der Bausteine, findet Josie und freut sich jedes Mal, wenn Greg sich mit ihr hinsetzt und die schönsten Türme baut.
„Oh, du bist aber auch einfach ein Sonnenschein.“, freut sich Greg. 
„Und noch so unkompliziert. Du weißt zum Glück noch nicht mal, was Jungs sind. Von mir aus kannst du gerne noch ein bisschen so klein bleiben.“
Josie ist aber noch nicht fertig mit ihrem Opa und möchte jetzt ein Buch lesen.
„Na, mal gucken, was wir da so Schönes finden. Ah, hier ist ein Buch über einen Dino, ich glaube das ist ganz gut.“ Gebannt hängt Josie an Opas Lippen und lauscht seiner Geschichte.

Rosalie nutzt derweil die Zeit, um mal wieder ein bisschen aufs Laufband zu gehen. Ihre Kondition hat nämlich stark abgebaut in letzter Zeit. Man sollte es zwar nicht meinen, aber auch in ihrem Job ist eine gute Ausdauer Gold wert und sie hat gemerkt, dass ihre nicht mehr wirklich so gut ist und sie schnell erschöpft ist. Deswegen nutzt sie jetzt jede freie Minute und trainiert wieder ein bisschen.
Als dann aber Schlafenszeit für Josie ist, ist Greg ganz froh, dass Rosalie das wieder selbst übernimmt. So ein Kleinkind kann einen alten Mann doch auch ganz schön auspowern. Also schnappt Rosalie sich nach dem Training ihre Tochter und bringt sie nach oben.
„So, zeit zum Schlafen mein Liebling. Du hast ja heute wieder ganz schön viel gespielt.“
Gerade als Rosalie einmal um das Bett herum gehen will, damit sie sich dorthin setzten und Josie eine Geschichte vorlesen kann, steht Josie einfach wieder auf. Sie hat nämlich noch keine Lust zu schlafen, egal wie müde sie eigentlich ist.

Aber Rosalie bleibt konsequent. Sie kennt ja schon die kleinen Aufstände ihrer Tochter schon. Bestimmt, aber liebevoll steckt sie sie wieder ins Bett und bittet sie liegen zu bleiben. Josie ist zwar ein wenig maulig, aber auch sie kennt ihre Mutter schon und weiß, dass diese nicht nachgeben wird. Also bleibt sie liegen und Rosalie fängt an Josies Lieblingsbuch zu lesen.
Es dauert dann tatsächlich auch nicht lange und die Kleine ist eingeschlafen und träumt selig von dem tollen Tag mit ihrem Opa.

Liam hat sich nachdem er aus der Schule wiedergekommen ist, sofort in den Fitnessraum zurückgezogen und lässt seine Wut am Boxsack aus.

Da kommt Bruno von nebenan und stellt sich in die Tür. „Na Großer, was dagegen, wenn ich mit trainiere? Ich hab ganz schön nachgelassen in der letzten Zeit.“
„Tu dir keinen Zwang an.“, gibt Liam zurück. „Hier kannst den Boxsack haben, ich wollte eh noch ein paar Gewichte stemmen. Also stellt Bruno sich an den Boxsack und Liam setzt sich auf die Hantelbank.
So trainieren die beiden eine Weile schweigend vor sich hin, bis sie sich ausgepowert haben. „Gutes Training.“, findet Bruno und Liam nickt zustimmend.
„Und hast du heute noch was vor oder hast du Zeit noch eine Runde Weck-das-Lama-nicht mit deinem Schwager zu spielen. Da hab ich heute Abend so richtig Lust drauf.“
„Ehrlich? Das alte Kinderspiel? Ich glaub da passe ich, das ist nichts für mich. Fragt doch meine Schwester, die spielt bestimmt gerne mit dir.“
„Aha, das Greenhorn hat also Angst gegen den alten Mann zu verlieren. Kann ich verstehen. Ich bin auch ziemlich gut. Hab ne ruhige Hand. Das kann auch nicht jeder.“
Brunos kleine Stichelei zeigt Wirkung bei Liam und er lässt sich doch breitschlagen. „Aber nur eine Runde.“, setzt er noch schnell an, bevor es losgeht.
„Ja, ja, das reicht mir, um dich fertig zu machen.“ Während Bruno mit ruhiger Hand einen Stab nach dem anderen aus dem Turm zieht, ist Liam nach einer geheimnisvollen SMS nicht mehr so konzentriert.
Schließlich bricht der Turm tatsächlich zusammen, als Liam an der Reihe ist.
„Gutes Spiel, hast gewonnen, ich geh dann mal.“
„Warte Liam, bleib mal noch sitzen. Ich glaube wir zwei müssen uns mal unterhalten.“
„Boah, nicht ehrlich du jetzt auch noch. Haben meine Eltern dich auf mich angesetzt? Mir reicht das schon, dass die mich ständig vollsülzen, da musst du jetzt nicht auch noch kommen mit irgendwelchen Moralpredigten.“
Bruno gefällt das gar nicht, wie Liam über seine Eltern spricht und auch seine abweisende Art. Zu sehr wird er aber auch an sich selber erinnert. Bevor er Rosalie kennen gelernt hat, war er ganz genauso. Er hatte vor niemandem Respekt und sagen lassen hat er sich sowieso schonmal gar nichts. Allerdings hat ihm das auch ne Menge Ärger eingebracht, das möchte er Liam ersparen.
„Weißt du Bruno. Ich bin kein kleines Kind mehr. Ich kann Sachen schon ziemlich gut selber entscheiden, dass müssen meine Eltern einfach langsam mal akzeptieren.“
„Außerdem weiß ich gar nicht, was ihr euch alle so aufregt. Ist doch gar nichts schlimmes passiert. Ich kann ganz gut auf mich selber aufpassen.“
„Alles klar Cowboy, jetzt halt mal kurz die Luft an. Erstmal haben deine Eltern mich nicht vorgeschickt, ich hab ihnen das angeboten, dass ich mal mit dir rede. Die zwei machen sich ganz schön Sorgen um dich.“
„Die zwei sind echt krank vor Sorge um dich und denken schon sie sind schlechte Eltern. Du solltest eigentlich wirklich dankbar sein, dass sich deine Eltern so um dich kümmern und wissen wollen wie es dir geht und was so los ist bei dir. Ich wäre damals froh gewesen, wenn meine Mutter auch nur einmal bei mir nachgefragt hätte, wie die Schule läuft. Aber ich hatte nicht dieses Glück, das du hast. Dein Verhalten deinen Eltern gegenüber ist wirklich nicht fair. Die haben dir nie was getan. Im Gegenteil sie waren und sind immer noch bemüht dir ein sorgenfreies Leben zu geben.“
Liam ist tatsächlich ein bisschen eingeschüchtert von Brunos Manöverkritik und sieht sein Fehlverhalten langsam ein. „Wow, ok, tut mir leid. Irgendwie hast du ja Recht und ich weiß das auch.“
„Gut, also das ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Aber du solltest dich nicht bei mir entschuldigen, sondern bei deinen Eltern.“
„Ja, mach ich versprochen.“
„Aber wie kommt das, dass du so aggressiv bist in letzter Zeit, da liegt doch noch was im Busch. Ich spür das doch.“
„Dir kann man aber auch nichts vormachen.“, gibt Liam ein bisschen gequält lächelnd zurück. „Ja, stimmt schon, irgendwie bin ich in letzter Zeit immer nur noch sauer und wütend.“
„Keine Ahnung warum und dann tick ich manchmal wegen der kleinsten Kleinigkeit aus und sage Sachen auch zu meinen Eltern, die ich hinterher total bereue. Ich weiß einfach nicht, wie ich das in den Griff bekommen soll.“
„Hm, ich würde ja sagen mach Sport, aber das machst du ja schon zu genüge.“, grinst Bruno. „Aber vielleicht kannst du ja einfach mal mit deinen Eltern drüber reden. Vielleicht haben die ja ein paar Tipps für dich und vielleicht verstehen sie hinterher auch besser, warum du manchmal halt so bist, wie du bist. Kann auf alle Fälle nicht schaden mit ihnen zu reden.“
„Wenn du meinst, dann kann ich das ja mal probieren.“
„Sehr gut, aber wir sind noch nicht fertig. Also das mit deinen Eltern haben wir jetzt geklärt. Kommen wir zum nächsten Punkt. Die Frauen.“ Ach herrje, Liam hat ein bisschen Angst, was jetzt kommt.
„Erzähl mal, wie kommt es dazu, dass du so ein Macho geworden bist, der von einem Bett ins nächste hüpft. Da steckt doch irgendwas hinter ich bin doch nicht blöd. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die SMS von vorhin da was mit zu tun hat. Die scheint dich ganz schön aus der Bahn geworfen zu haben.“
„Ah ich weiß nicht. Ich will da nicht so wirklich drüber reden.“
„Ich schwöre ich schweige wie ein Grab. Das bleibt unser kleines Geheimnis.“
Liam zögert einen langen Moment, aber vielleicht hilft es ja doch, wenn er sich endlich mal jemanden anvertraut.  „Also schön, aber du darfst mich nicht auslachen. Egal, wie Kindisch das jetzt klingt, was ich dir erzähle.“ Bruno legt seine rechte Hand aufs Herz und schwört dicht zu halten.
„Ok. Ähm, also, lange hab ich selbst nicht verstanden, warum ich mich so gegen eine Beziehung und diese ganzen romantischen Gefühle gesträubt habe. Nach meinem Geburtstag waren da diese ganzen neuen Hormone und Empfindungen und Bedürfnisse. Mein Bedürfnis nach Sex konnt ich immer ziemlich schnell und ausreichend stillen, aber hinterher hab ich mich immer leer gefühlt und hatte immer so ein komisches Gefühl danach, so als ob mir mein Körper sagen will, dass das so nicht richtig ist, dass da was fehlt. Doch jedes Mal, wenn ich die Frauen danach angeguckt habe, hab ich gedacht ‚Die ist es nicht‘. Wobei ich eigentlich sowieso eher wollte, dass sie es nicht ist. Wenn du verstehst was ich meine.“
„Wahrscheinlich versteh ich dich besser als du denkst. Aber ich seh nicht ganz, was daran so kindisch sein soll. Ich glaube das machen viele durch. Was ist da noch?“
„Oh ja, das jetzt der peinliche Teil. Also ich glaub meine Unfähigkeit Gefühle Frauen gegenüber zuzulassen, kommt aus meiner Grundschulzeit. Es gab da mal dieses Mädchen. Die war glaub ich sogar ganz niedlich. Also was man so in dem Alter als niedlich empfindet. Na ja, die hat mir ganz schön zugesetzt.“ Liam muss lächeln, als er an das Auflauern und die Streiche zurückdenkt. „Wie auch immer. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf ihre Streiche und hab sie einfach mal zu mir eingeladen, damit wir uns besser kennen lernen. Ich dachte immer wir würden uns ganz gut verstehen. Ich fand sie echt nett. Ich dachte wir wären Freunde, wahrscheinlich war ich sogar ein bisschen in sie verliebt. Ich hab ihr sogar am Liebestag eine Karte gebastelt und wollte ihr die geben, aber von einem Tag auf den anderen ist sie mir aus dem Weg gegangen und hat mich gemieden. Ich glaube das hat mein kleines Jungsherz mehr mitgenommen, als ich jemals zugeben würde. Danach waren alle Mädchen für mich nur noch hinterhältige Biester, die einem erst vortäuschen deine Freundin zu sein und dann lassen sie dich fallen. Wahrscheinlich hatte ich Angst, dass mir das wieder passiert. Ziemlich dumm, ich weiß.“
„So dumm finde ich das eigentlich gar nicht. Du warst damals noch jünger. Da weiß man mit solchen Emotionen nicht umzugehen und dann können da halt solche Sachen bei rauskommen. Was aber leider dein Verhalten diesen Frauen gegenüber nicht rechtfertigt.“
„Ich weiß“, gibt er kleinlaut zu.
„Dann will ich doch mal hoffen, dass du damit jetzt aufhörst. Und was hat jetzt die SMS von vorhin damit zu tun? Hat dein Handeln etwa unerwartete Konsequenzen?“
„Oh nein, um Gotteswillen zum Glück nicht. Nein. Wie gesagt, hab ich von dem Mädchen nichts mehr gehört und nichts mehr gesehen seit meiner Grundschulzeit, also bis vorhin. Die SMS war nämlich von ihr. Ich weiß echt nicht, wo sie meine Nummer herhat oder wieso sie ausgerechnet jetzt, nach all den Jahren wieder ankommt.“
„Und was will sie?“
„Sich mit mir treffen.“
„Und was machst du jetzt?“
„Wenn ich das wüsste, wäre schön.“
„Also wenn ich als alter Romantik- und Liebesexperte, der ich gar nicht bin, einen Rat geben darf. Dann denke ich, solltest du dich mit ihr treffen. Hören was sie zu sagen hat. Wer weiß, vielleicht hilft dir das, dass alles zu überwinden und du kannst danach wieder nach vorne sehen.“
„Ach ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Am Ende gefällt mir das, was sie sagt nicht und ich werde nur noch wütender. Ich muss da nochmal drüber nachdenken.“
„Tu das. Aber ich habe solange noch eine letzte Sache, die ich mit dir besprechen möchte. Die Schule. Ich glaube da läuft es auch nicht so rund für dich, richtig?“ Schuldbewusst lässt Liam die Schultern hängen und nickt kaum merklich. „Na, zum Glück ist das das Problem, das wir am leichtesten beheben können. Also raus mit den Hausaufgaben dein Schwager erklärt dir jetzt mal die wichtigsten Mathematikformeln und wie wichtig richtige Grammatik ist.“, zwinkert er. „Und in Zukunft machst du die einfach jeden Tag und wenn du Hilfe brauchst gibt es in diesem Haus genug Leute, die dir mit Freude helfend zur Seite stehen. Schließlich wollen wir dich alle beim nächsten Spiel auf dem Feld sehen und nicht auf der Bank.“ Ohne zu Murren holt Liam seine Hausaufgaben und mit Brunos Hilfe sind diese auch schnell erledigt.
Als er ins Bett geht, muss er noch lange über das Gespräch nachdenken und über die SMS von Brianne.

Fortsetzung folgt…